In Gesprächen mit anderen Hochsensiblen fallen immer wieder ähnliche Aussagen. Es ist spannend zu sehen und zu verstehen, dass wir in unserem Denken und Fühlen nicht alleine sind und dennoch oft an uns, unserer Wahrnehmung und Fähigkeiten zweifeln.
Im April habe ich dazu mit unserer Großen Schwester Julia gesprochen und erneut gehört, wie wichtig Selbsterkenntnis und Akzeptanz sind und wie wir dahin kommen können.

Miriam: „Hallo Julia. Magst du dich einmal vorstellen und erklären, wie es dazu kam, dass du Coaching für hochsensible Menschen anbietest?„
Julia: „Hallo, ich bin Julia. Ich lebe mit meiner kleinen Familie in Frankfurt am Main und arbeite als Coach, Beraterin und Dozentin zum Thema Hochsensibilität. Ich selbst weiß noch gar nicht so lange, dass ich hochsensibel bin. Am Anfang meiner beruflichen Neuorientierung – davor habe ich im Bereich Buchpublikationen gearbeitet – stand der Wunsch, Menschen in irgendeiner Form der 1:1-Begleitung zu unterstützen, weil ich mich schon immer für Menschen und Psychologie interessiert habe. Ich habe mich dann relativ spontan für eine Life-Coaching-Ausbildung entschieden und schnell gemerkt, wie sehr mich diese Arbeit erfüllt.
Nach der Ausbildung kam dann die Frage: Für wen möchte ich eigentlich arbeiten? Wem kann ich mit meiner Lebenserfahrung und meiner Expertise am meisten dienen? Ich hatte so ein vages Bild von Menschen mit viel Potenzial, mit Ideen und einer Vision – Menschen, die etwas beitragen wollen, die viel mitbringen, aber gleichzeitig stark an sich zweifeln und sich immer wieder selbst im Weg stehen. Die sich oft anpassen, obwohl sie gleichzeitig spüren, dass da mehr in ihnen steckt. Ich wusste nur noch nicht, wer diese Menschen konkret sind.
Dann bin ich eher zufällig über ein YouTube-Video auf das Thema Hochsensibilität gestoßen und habe angefangen zu recherchieren. Und plötzlich hat es Klick gemacht.
Hochsensible Menschen sind oft sehr kreativ, sehr empathisch, haben einen Blick für Details und gleichzeitig für große Zusammenhänge. Sie verarbeiten Dinge tief, haben ein starkes Wertesystem und oft den Wunsch, etwas Sinnvolles in die Welt zu bringen. Und gleichzeitig kämpfen viele mit Selbstzweifeln, Perfektionismus und der Tendenz, sich stark anzupassen.
In dem Moment wusste ich: Das ist es. Das sind die Menschen, mit denen ich arbeiten möchte. Und das bin auch ich. Es war eine große Erleichterung zu merken: Ich bin nicht das einzige „Alien“. Es gibt andere, denen es ähnlich geht. Und daraus ist dann ganz natürlich der Wunsch entstanden, hochsensible Menschen mit Coaching zu begleiten.“
Miriam: „In deinem Image-Flyer schreibst du, dass es dir ein Anliegen ist, Orte des Austausches und der gegenseitigen Unterstützung für Hochsensible zu schaffen. Wie bist du auf diese Idee gekommen?“
Julia: „Das ist eigentlich auch aus meinem eigenen Prozess heraus entstanden, mich als Coach selbstständig zu machen. In so einer Phase trifft man unglaublich viele Entscheidungen: Wer bin ich? Was will ich anbieten? Wie will ich arbeiten? Und man muss bereit sein, sichtbar zu werden.
Dabei bin ich immer wieder an meine eigenen Selbstzweifel gestoßen und habe gemerkt, wie sehr ich mir manchmal selbst im Weg stehe. Und gleichzeitig habe ich erlebt, wie hilfreich es ist, mich mit anderen hochsensiblen Gründerinnen und Coaches auszutauschen. Wenn wir uns mit anderen Hochsensiblen verbinden, passiert oft etwas, das wir uns lange gewünscht haben: Wir werden wirklich gesehen und verstanden. Und darüber hinaus können wir uns gegenseitig stärken, uns an unser Potenzial erinnern und uns dabei unterstützen, über diese inneren Hürden hinwegzugehen.
Daraus ist mein Wunsch entstanden, solche Räume auch für andere zu schaffen, online und offline. Im Moment mache ich das über meinen YouTube-Kanal (ANDERS ZUM GLÜCK), den ich nach und nach aufbaue, und über Workshops an der VHS in Frankfurt. Langfristig träume ich aber von einer Community von Hochsensiblen, die sich gegenseitig unterstützt. Die möchte ich am liebsten zusammen mit anderen aufbauen – nicht alleine.“
Miriam: „In deinem Profil schreibst du auch, dass du Hochsensible ermutigen willst, ihre besonderen Fähigkeiten mit der Welt zu teilen. Was meinst du damit?“
Julia: „Viele hochsensible Menschen denken in größeren Zusammenhängen und haben – aus ihrem starken Wertesystem heraus – den Wunsch, etwas Sinnvolles beizutragen. Oft ist dieser Wunsch sehr klar spürbar. Und gleichzeitig ist da eine große Unsicherheit. Viele wissen gar nicht mehr genau, was ihre eigenen Fähigkeiten eigentlich sind. Oder sie halten sie für selbstverständlich und denken: „Das ist doch nichts Besonderes.“
Und genau da setze ich an.
Ich glaube, dass gerade in unserer Sensibilität unglaublich viel Kraft liegt. Dass wir genau dadurch etwas in die Welt bringen können, was gerade sehr gebraucht wird – mehr Feinfühligkeit, mehr Bewusstsein, mehr Verbindung.
Und es geht für mich darum, diesen Zugang wieder freizulegen und sich Schritt für Schritt zu erlauben, damit sichtbar zu werden.“
Miriam: „Was passiert in deinen Coachings?“
Julia: „In meinen 1:1-Coachings begleite ich meine Klienten und Klientinnen zum Beispiel dabei, ihre eigenen Potenziale wiederzuentdecken: Was liebe ich eigentlich? Was begeistert mich? Was macht mich aus? Und wir schauen gemeinsam darauf, welche alten Muster und Glaubenssätze sich darübergelegt haben.
Ein wichtiger Teil ist auch, den Selbstwert ganz behutsam wieder aufzubauen und das Nervensystem mitzunehmen. Also nicht nur auf der gedanklichen Ebene zu arbeiten, sondern wirklich Schritt für Schritt zu erfahren: Es ist sicher, mich zu zeigen. Es ist sicher, meinen Platz einzunehmen.“
Miriam: „Was sagst du Menschen, die dieses Interview lesen und mit dir zusammenarbeiten möchten?“
Julia: „Ich würde mich sehr freuen, dich ein Stück auf deinem Weg zu begleiten! Du kannst dich gerne bei mir für ein kostenloses Mini-Coaching zum Kennenlernen melden oder auf meiner Website vorbeischauen, um mehr über meine Arbeit und aktuelle Termine zu erfahren: www.julia-anna-richter.de.“

Möchtest du raus aus der Anpassung und deinen Selbstzweifeln kommen und stattdessen hin zu innerer Sicherheit, Selbstvertrauen und gelebtem Potenzial?
Dann schau gerne einmal hier auf Julias Profil vorbei und erfahre mehr über Julia und ihr Angebot.
Auf ihrem YouTube-Kanal ANDERS ZUM GLÜCK findest du zudem weitere Tipps und Tools rund um Hochsensibilität.
Es gibt ein psychologisches Muster (Dunning-Kruger-Effekt), bei dem Personen sich und ihre Leistung besser einschätzen, als sie tatsächlich sind. Der Nachbar ist gefühlt zudem dümmer, die Kollegin fauler, nur man selbst weiß, wie es vermeintlich richtig geht und überschätzt sich dabei.
Aber es gibt auch das Gegenteil, das unter uns Hochsensiblen deutlich weiter verbreitet ist und für Leidensdruck sorgt: das Impostor-Syndrom (alternative Schreibweise Imposter) ist auch unter dem Begriff des Hochstapler-Phänomens bekannt.
Während beim Dunning-Kruger-Effekt sich weniger kompetente Menschen überschätzen und selbstbewusstes Auftreten trotz fehlender Expertise zelebrieren, bewerten beim Impostor-Syndrom kompetente Menschen ihre eigene Leistung zu schlecht.
Vor allem leistungsorientierte und erfolgreiche Personen stellen sich oft systematisch infrage und glauben, sie hätten ihre Erfolge nicht durch eigene Fähigkeiten, sondern durch Glück, Zufall oder äußere Umstände erreicht. Trotz objektiver und nachweisbarer Erfolge haben sie intensive Selbstzweifel sowie das Gefühl, nicht dazuzugehören und leben in der ständigen Angst, „entlarvt“ zu werden.
1978 beschrieben die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes erstmals das Impostor-Syndrom, wobei das Wort „Impostor“ ein englischer Begriff für „Hochstapler“ ist. Die Ursachen sind vielschichtig und meist biografisch bedingt.
Typische Merkmale können sein:

Langfristig kann Resilienz dabei unterstützen, die innere Selbstzweifel-Spirale zu durchbrechen und ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen – unabhängig von äußeren Erfolgen.
Ein resilienzorientierter Umgang kann bedeuten:
Wenn auch du dein Impostor-Syndrom besser kennenlernen möchtest, dann empfehle ich dir den kostenfreien Online-Livevortrag von Dr. theol. Christina Pfestroff (Werbung, ohne Auftrag und Zahlung😉).
Christina ist Coachin, Trainerin und Mentorin für Stressbewältigung und Resilienzförderung in Bonn und befasst sich seit Langem mit den Ursachen und Auswirkungen von Stress.
An ihrem offenen Online-Abend zum Impostor-Phänomen wird Christina mit wissenschaftlich fundiertem Blick auf dieses verbreitete Stressmuster schauen und für dich Lösungsansätze erarbeiten. Was sind die Ursachen für diese unbegründeten Selbstzweifel? Und warum können kognitiv-verhaltensorientierte Fragen (IBSR) sie so wirkungsvoll lindern?
Mittwoch, 21. Mai 2025
18.00 – 19.30 Uhr
Online über Zoom
kostenfrei
Zur Anmeldung für den kostenlosen Online-Abend kannst du einfach eine kurze Email an christina.pfestroff@achtsame-fragen.de senden und du erhältst zeitnah den Link.
Der Vortrag wird von Christina in unregelmäßigen Abständen wiederholt. Aktuelle Termine, weitere Informationen über Christina und ihre Arbeit findest du auf ihrer Website.
Hinweis: Dieser Blogbeitrag erhebt keinen Anspruch auf therapeutische Tiefe, sondern möchte zur Entstigmatisierung und Auseinandersetzung mit dem Phänomen beitragen.
Wann hast du dir das letzte Mal eine Auszeit genommen und bist in der Natur spazieren gegangen? Die erdende, entspannende Wirkung des Waldes wird zunehmend auch wissenschaftlich erforscht und nachgewiesen. Gerade Menschen, die in der Stadt leben, haben durch das schnelle und hektische Leben dort oft einen daueraktivierten Sympathikus und damit verbundene Stresserscheinungen. Menschen hingegen, die in Regionen mit viel Natur leben, sind Statistiken zufolge gesünder.

Die zahlreichen Sinneseindrücke im Wald wie zwitschernde Vögel, duftende Tannennadeln, weicher Waldboden bewirken eine Stimulation des Parasympathikus, welcher für Erholung und Regeneration zuständig ist. Selbst die Farbe Grün, die im Wald dominiert, hat der Farbenlehre zufolge eine beruhigende Wirkung auf den Menschen.
Schon innerhalb etwa einer Stunde senkt das Spazierengehen im Wald den Blutdruck sowie die Herzfrequenz. Es werden weniger Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet und der Stresspegel so reduziert. Darüber hinaus erweitert sich die Lungenkapazität und die Arterien werden elastischer.
Selbst das Immunsystem profitiert scheinbar von der Waldluft: Regelmäßige Auszeiten im Wald erhöhen die Zahl der natürlichen Killerzellen und senken die Zahl der gefährlichen T-Zellen. Die natürlichen Killerzellen helfen dem Körper bei der Bekämpfung veränderter Zellen, beispielsweise durch einen Virus oder eine Krebserkrankung.

Wohl verantwortlich für diese Effekte sind Terpene – Duftstoffe, die wir zwar nicht sehen, dafür aber riechen können. Terpene sind es, die dem Wald seinen unverwechselbaren Duft verleihen und die den Parasympathikus aktivieren, der letztendlich Auslöser für die positiven gesundheitlichen Wirkungen ist.
All diese Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Wälder eine bedeutende Ressource für unsere physische sowie psychische Gesundheit sind. Selbst psychotherapeutische Einheiten sind effektiver, wenn sie im Wald stattfinden. In Japan hat sich der Aufenthalt im Wald selbst bereits als eigenständige Therapieform durchgesetzt – bekannt als Shinrin-Yoku, auf Deutsch Waldbaden.
Hinter dem Waldbaden steckt eine intensive Auszeit im Wald: Du läufst voller Bewusstsein durch den Wald, meditierst, machst Atemübungen und erkundest den Wald mit allen Sinnen. So entfaltet der Wald seine heilenden Kräfte und stärkt deine Gesundheit. Auch in Deutschland wird das Waldbaden immer bekannter und an vielen Orten angeboten.
Doch auch ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen zahlen sich aus – das wohlige Gefühl im Anschluss basiert nicht nur auf einem erhöhten Wohlbefinden, sondern, wie wir gesehen haben, auch auf nachweisbaren Effekten.
Also, raus mit dir in die Natur und eine Runde in den Wald!