Neuro… was? Ein kleiner Exkurs
Neurodivers, neurodivergent, neuroinklusiv…. In meiner persönlichen Bubble drehen sich aktuell viele Gespräche um genau diese Begriffe. Was ich grundsätzlich sehr begrüße und gleichzeitig manchmal schwierig finde. Denn oft werden die Begriffe unterschiedlich verwendet oder nicht klar definiert. Auch die Frage, was genau alles darunterfällt, wird je nach Kontext unterschiedlich beantwortet.
Deshalb vorab: Dieser Artikel hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt meine eigenen Erfahrungen und Recherchen wider. Inhaltlich beziehe ich mich schwerpunktmäßig auf Hochsensibilität und Tätigkeiten am Rechner, wobei vieles auch auf weitere Neurodivergenzen und andere Berufsfelder übertragen werden kann.*
Diversity Management und Inklusion
Im beruflichen Kontext fallen häufig die Begriffe Diversity Management, Inklusion und DEIB (Diversity / Vielfalt, Equity / Chancengerechtigkeit, Inclusion / Inklusion und Belonging / Zugehörigkeit) und im Rahmen der Charta der Vielfalt befassen sich bereits viele Unternehmen mit diesen Themen. In der Umsetzung liegt hierbei jedoch der Fokus oft auf den Themen Geschlecht, Migrationsgeschichte und Nationalität, soziale Herkunft, körperliche Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierung und Alter. Ein Bereich wird jedoch noch zu wenig mitgedacht: Neurodiversität.
Dabei geht es meiner Meinung nach nicht (nur) um Diagnosen oder Kategorien. Sondern um die Erkenntnis, dass wir Menschen unterschiedlich funktionieren, und dass genau darin eine enorme Ressource für unsere Arbeitswelt liegen kann.
Studien belegen, dass diverse Teams leistungsfähiger, kreativer und innovativer sein können. Insbesondere dann, wenn Unterschiede nicht nur toleriert, sondern bewusst genutzt werden. Unterschiedliche Denkweisen ermöglichen neue Perspektiven, bessere Problemlösungen und oftmals auch mehr Innovationskraft.
Und genau hier beginnt Neurodiversität als Teil der Inklusion, sprich Neuroinklusion, als das Mitdenken und Gestalten der Arbeitswelt für neurodivergente Menschen.

Die Unterschiede im Wording
Die Begriffe Neurodiversität und neurodivers beschreiben die natürliche Vielfalt unsere Gehirne, also die unterschiedlichen Arten, wie wir denken, fühlen, wahrnehmen und Informationen verarbeiten. Es gibt Menschen, die denken schneller oder mehr um die Ecke, andere denken tiefer, manche brauchen viel Ruhe, andere Action und viele Sinneseindrücke. Und wieder andere fühlen anders, nehmen mehr wahr oder verarbeiten intensiver.
Innerhalb dieser Neurodiversität beschreibt Neurodivergenz und neurodivergent Menschen, deren neurologische Verarbeitung von der „neurotypischen“ Verarbeitung abweicht. Dazu zählen unter anderem: ADHS, Autismus-Spektrum, Legasthenie, Dyskalkulie, Hochbegabung, Tourette-Syndrom und – je nach aktueller Einordnung – eben auch Hochsensibilität (ich persönlich zähle sie ebenfalls dazu).
Schätzungen zufolge sind bis zu 20 % der Menschen neurodivergent, wobei die Verteilung nach neuesten Forschungsergebnissen nicht geschlechtsspezifisch ist. Neurodivergenz ist kein Randphänomen, sondern betrifft uns alle, denn wenn wir nicht selbst dazu zählen, so sind in unserem privaten wie beruflichen Umfeld neurodivergente Personen, oftmals ohne dass wir es wissen oder es auf den ersten Blick sichtbar ist.
Unsere Fähigkeiten und unsere Herausforderungen
Wir neurodivergenten Menschen bringen im Berufsleben oft besondere Fähigkeiten mit:
- einen starken Gerechtigkeitssinn
- hohe Kreativität
- ausgeprägte Detailwahrnehmung
- hohe Lösungsorientierung
- tiefes analytisches Denken
- schnelle Auffassungsgabe
- den Wunsch, Arbeitsinhalte in der Tiefe zu verstehen
- Empathie, soziale Intelligenz sowie ein Gespür für Stimmungen im Raum
- hohe Anpassungsfähigkeit
- Fähigkeit zum Hyperfokus und Spezialinteressen
Gleichzeitig kann der Arbeitsalltag zur Herausforderung werden. Zum Beispiel durch:
- einen reizintensiven Arbeitsplatz: z.B. Großraumbüros, im Einzelhandel, Messehallen mit vielen Reizen
- Geräusche, Düfte, Luftzug, grelles Licht …
- unklare Kommunikation, sowohl als sendende als auch empfangende Person
- Missinterpretation von Mimik, Gestik, Tonfall und Worten von KollegInnen
- Unterbrechungen, die zu Konzentrationsverlust führen
- Schwierigkeiten bei Aufgabenorganisation und Zeitmanagement
- lange, unstrukturierte Meetings
- Erwartungen und unausgesprochene soziale Regeln
Viele von uns passen sich an, um im Berufsalltag klarzukommen, mal bewusst und oft unbewusst. Wir maskieren. Dieses „Spielen“ und die Anstrengung dahinter geht jedoch oft auf Kosten unsere eigenen Energie und kann zu Erschöpfung oder im Schlimmsten Fall Burnout führen.
Mein Aha-Erlebnis
Auch mir ging es lange so, da ich erst vor einigen Jahren meine Hochsensibilität erkannt habe. Eventuell schlummert bei mir auch ADHS, da ist sich mein Neurologe noch unsicher… Die absurde Herangehensweise bei der Diagnostik und die langen Wartelisten für fundierte Meinungen sind ein anderes Thema und werde ich vielleicht noch in einem neuen Blogartikel beleuchten…
Seitdem habe ich mich jedoch stark in die Themen Neurodiversität, Hochsensibilität, weibliche ADHS und Neuroinklusion eingelesen und mein berufliches Umfeld weiter dahingehend für mich angepasst. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, möglichst viele Menschen über Hochsensibilität im Speziellen und Neurodiversität im Allgemeinen in der Berufswelt aufzuklären, damit andere es leichter im Arbeitsalltag haben. Denn oft reichen das Wissen über unsere Unterschiede im Denken und Fühlen, kleine Anpassungen und ein bewussteres Gestalten unseres Arbeitsumfeldes, damit sich für uns etwas im Großen verändern kann und wir entspannter, zufriedener und letztendlich besser arbeiten können.
Was mir konkret geholfen hat, war zu verstehen, warum ich oft so gestresst, unzufrieden mit meiner Leistung und müde am Ende meines Arbeitstages war.
Nachdem ich das verstanden hatte, begann ich, meine Rahmenbedingungen anzupassen und mein Umfeld darüber zu informieren, was mir helfen würde, meine Konzentration besser zu halten und meine Energie mehr auf die Dinge richten zu können, die beruflich relevant sind.
Ich richtete Fokuszeiten ein und meine Kollegin übernahm, natürlich nach Absprache, in dieser Zeit mein Telefon. Mein Mailprogramm schloss ich, so dass nichts aufploppen konnte. Ich war zwar erreichbar, aber nicht zu jedem Zeitpunkt verfügbar. So konnte ich ohne äußere Unterbrechung konzentrierter an einem Vorgang arbeiten (was mir ja ohnehin eh schon oft schwerfällt, da meine Gedanken gerne von selbst abschweifen, da brauche ich noch nicht mal eine Unterbrechung von außen). In geräuschintensiven Phasen in meiner Zeit der Großraumbüro-Anstellung nutzte ich Noise-Cancelling Kopfhörer, um nicht jedes Telefonat oder Gespräche von meinem Team mitzubekommen. Auch hatten wir zum Glück oft die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, was ich dankend annahm und hier deutlich produktiver war als im Büro.
Selbständigkeit als Lösung?
Viele neurodivergente Menschen gehen irgendwann den Weg die Selbstständigkeit, weil sie dort ihre Arbeitsweise freier gestalten können. Auch ich habe (erst nebenberuflich) die Selbständigkeit für mich getestet und manches wurde besser und manches schlechter.
Das läuft gut: Ich kann meine Zeiten nun frei einteilen, nach meinen persönlichen Leistungshochs arbeiten und mir Pausen nehmen, wenn ich sie benötige. Ich kann je nach Bedürfnis im stillen Kämmerlein oder im Gemeinschaftsbüro arbeiten. Niemand gibt mir Deadlines oder unklare Anweisungen, ich habe keine Vorgesetzten, deren Verhalten oder Ausführungen ich nicht verstehe oder kritisch hinterfrage. Teammeetings sind bereichernd und klar strukturiert. Und ich befasse mich inhaltlich zum größten Teil mit Themen, auf die ich richtig Lust habe, die mir Spaß machen und in denen ich meine Neugierde, Kreativität und Vielseitig ausleben kann.
Das ist ausbaufähig: Natürlich gibt es auch die andere Seite der Medaille. Meine innere Kritikerin ist sehr laut und ich stehe mir dank meines Imposter-Syndroms oft selbst im Weg und bin sehr umsetzungslahm. Struktur und Zeitmanagement sind weiterhin nicht mein Stärke. Monotone und langweilige Aufgaben sind an gewissen Tagen fast nicht machbar bzw. kosten viel Überwindung in der Umsetzung. Ich lasse mich unfassbar gern von allem Möglichen ablenken und brauche ewig, um banale Tätigkeiten zu beginnen…oder zu Ende zu machen. Gleichzeitig komme ich manchmal in den Hyperfokus und vergesse dann alles um mich herum und könnte ewig weiterarbeiten.
Mein Gamechanger ist hier das „Body-Doubling“ oder „digitales Coworking“. Ich verabrede mich live oder im Videocall mit Kolleginnen aus meinem Netzwerk und wir setzen uns jede an den eigenen Laptop und arbeiten konzentriert an unseren jeweiligen (blöden) Aufgaben. Wir besprechen am Anfang, was wir in der kommenden Stunde erledigt bekommen möchten und dann geht’s los. Bei der Online-Variante heißt das: Kamera an und Ton aus. Nach einer Stunde besprechen wir, wie weit wir gekommen sind und was noch aussteht. Das Witzige ist: Das funktioniert. Als ob man sich selbst veräppelt, weil man es alleine nicht hinbekommt. Aber in der Gruppe merken wir alle, dass diese Fokuszeiten deutlich ertragreicher sind und Dinge, die man seit Tagen vor sich hergeschoben hat, erhalten eine Lösung oder einen Abschluss. An dieser Stelle DANKE an meine Coworking-Mädels, das ist immer super hilfreich!
Aber zurück zur Neuroinklusion im Angestelltenverhältnis
Nicht jede und jeder von uns möchte oder kann sich aus den verschiedensten Gründen selbständig machen. Gleichzeitig kann nicht jeder Arbeitsplatz ideal neuroinklusiv gestaltet werden. An der Kasse im Einzelhandel ist es nun einmal schwer, wenig mit der Kundschaft zu interagieren und „in Ruhe abzuarbeiten“. Als Lehrkraft kann ich nicht nach 10 Minuten Unterricht den Raum verlassen, weil ich eine Rückzugsmöglichkeit brauche. Als operierender Arzt oder Ärztin muss ich lange Zeit hoch konzentriert sein. Du verstehst, worauf ich hinaus möchte….
Und das bedeutet nicht, dass neurodivergente Menschen diese Berufsbilder nicht ausüben können oder aus Angst vor Versagen diese gar nicht erst erlernen sollten. Denn man kann auch dort gewisse Rahmenbedingen so gestalten, dass sie nicht zusätzlich Energie rauben. Neuroinklusion bedeutet nicht, dass plötzlich alles reizfrei und angepasst sein muss.
Neuroinklusive Arbeitsbedingungen können sein:
- ruhige, reizärmere Umgebung (z. B. Raum für Pausen und Regeneration, Rückzugsorte oder die Möglichkeit bei Bedarf ein Einzelbüro zu nutzen oder Homeoffice)
- möglichst wenig Multitasking
- klare Kommunikation und Absprachen mit wenig Interpretationsspielraum
- Fokus-Slots für unterbrechungsfreies Arbeiten (und somit keine permanente Verfügbarkeit auf allen Kanälen)
- visuelle Klarheit und Ordnung im Umfeld, auf dem Schreibtisch, Desktop …
- Fokus auf Stärken und Interessen
- Inhalte und Arbeitsaufträge, die zur jeweiligen Denkweise und Interessen passen (Bsp.: eine Person kann besser analytisch arbeiten und bevorzugt schriftliche Kommunikation, eine andere Person kann sich gut in neue Mitarbeitende einfühlen: Was braucht ein gutes Onbaording, wie geht eine Einarbeitung etc. und der persönliche und mündliche Kontakt fällt ihr leichter als anderen)
- flexible Arbeitszeiten oder Arbeitsrhythmen
- klare Strukturen und transparente Abläufe
- Coworking-Teams um den Fokus zu halten
Ein unterstützendes Umfeld beginnt jedoch nicht bei Maßnahmen, sondern bei Haltung in der Führung und im Team
Für Vorgesetzte kann dies bedeuten:
- ich bin offen für die Themen rund um Neurodiversität
- ich interessiere mich wirklich für mein Team und ich nehme individuelle Bedürfnisse ernst
- ich vergleiche Teammitglieder nicht untereinander, sondern verstehe, was individuell wichtig ist
- ich kann und möchte die Stärken meiner Teammitglieder bewusst einsetzen
- ich habe Vertrauen und führe nicht über Kontrolle, Arbeitsergebnisse sind wichtiger als permanente Verfügbarkeit auf allen Kanälen
- ich pflege eine offene und wertschätzende Kommunikation
- ich bin ein Vorbild und fülle meine Führungsrolle entsprechend aus
Für Teammitglieder kann dies bedeuten:
- unterschiedliche Arbeitsweisen und Pausenarten werden akzeptiert
- Teammitglieder werden nicht vorschnell bewertet oder verurteilt
- Allen wird Raum lassen, auch für Rückzug
- eine offene und wertschätzende Kommunikation wird von allen gelebt
Wie kann eine gute Kommunikation von Führungskräften und Teammitgliedern aussehen?
- klare, direkte und wertschätzende Sprache
- Erwartungen offen formulieren
- Fokuszeiten, Zeitschienen und Deadlines klar abbilden
- geregelte und strukturierte Übergaben und Absprachen, ggf. mit klaren Routinen
- Feedback konkret und lösungsorientiert geben
- Ich-Botschaften statt Vorwürfe
Vielfalt gestalten
Für die Arbeitswelt bedeutet Neuroinklusion jede Person im Idealfall so zu unterstützen und fördern dass sie ihr Bestes geben kann und möchte. Was neurodivergenten Menschen hilft, kann letztendlich auch dem Rest des Teams helfen. Zumindest wäre es einen Versuch wert, zu schauen, ob die Maßnahmen neurotypische Menschen stören oder sie sie gar positiv oder zumindest neutral bewerten.
Denn letztendlich kann eine gelebte Neuroinklusion ein Gewinn für alle sein und somit als Ressource genutzt werden. Unternehmen können ihre Position als Arbeitgebermarke stärken und neue Talente für sich gewinnen. Und vielleicht ist genau das die Zukunft von Arbeit, denn eine Arbeitswelt, die Vielfalt zulässt, wird nicht nur inklusiver, sondern kreativer und langfristig gesünder und wettbewerbsfähiger.
Möchtest du mehr über Neuroinklusion erfahren und tiefer in die Thematik einsteigen?
Dann nimm gerne Kontakt zu mir auf (Mail an mich) und wir besprechen die weiteren Schritte für eine individuelle Beratung in deinem Unternehmen. In meinen Beratungen vermittelt ich das Wissen aus meiner eigenen neurodivergenten Arbeitnehmerinnen-Sicht und gebe konkrete Tipps und Tools für Teams und Vorgesetzte an die Hand für eine neuroinklusivere Arbeitswelt.

Filme und Informationen über Neuroinklusion
(Jeweils unbezahlte und unbeauftragte Werbung da Nennung)

- Neurodivergenz am Arbeitsplatz: Wie Inklusion von ADHS im Job gelingen kann
Link zum ZDF-Beitrag
- Neuroinklusion: Der Business Case für die Zukunft der Arbeit, Julie Simstich, TEDxGraz
Link zu Youtube
- Neuroinklusion im Konzern
Zur Website der Deutschen Telekom
- Charta der Vielfalt
Zur Website
* Nachtrag
Meine Gedanken zur Einordnung von Hochsensibilität und Neurodiversität: Mir ist bewusst, dass die Einordnung von Hochsensibilität ein teils kontrovers diskutiertes Thema ist. Hochsensibilität ist weder im ICD-10 noch im ICD-11 als Diagnose oder Krankheitsbild aufgeführt, sondern gilt aktuell als Persönlichkeitsmerkmal.
Immer öfter bekomme ich jedoch mit, dass Hochsensiblen Ableismus vorgeworfen wird: Die Begrifflichkeit Hochsensibilität würde als „schönere Begriffs-Schwester“ von ADHS gesehen, da Hochsensibilität eine gesellschaftlich akzeptiertere Bezeichnung für ADHS sei und Hochsensible würden sich bewusst von einer möglichen ADHS-Diagnose distanzieren, weil diese stärker stigmatisiert sei.
Ich habe dank meiner Einordnung und Erkenntnis meiner Hochsensibilität viel über mich gelernt und mir hat es sehr geholfen zu verstehen, dass viele andere Menschen auch eine Vielbegabung und viele Interessensgebiete/ Scanner-Persönlichkeit haben. Dies war entsprechend mein Einstiegstor in eine neue Welt.
Die Forschung rund um (gerade weibliche) ADHS im Erwachsenenalter steckt noch in den Kinderschuhen und meiner Meinung kann es nach einen Zusammenhang zwischen ADHS und HSP geben, muss aber nicht. Ebenso bei Migräne: Migränegehirne sind reizoffener, aber sind dadurch alle Migräne-Geplagten hochsensibel oder haben ADHS? Ich stehe dem Thema ADHS offen gegenüber und befinde mich in der ADHS-Diagnostik, wobei mein Neurologe ADHS in einem „Schnelltest“ ausgeschlossen hat und ich bisher „nur“ hochsensibel und Migränepatientin bin, auch wenn ich mich in vielen Bereichen bei ADHS wiedererkenne. Ob eine spätere Diagnose mir helfen würde, mich selbst noch besser zu verstehen oder anzunehmen, weiß ich nicht. Und genau deshalb halte ich einen individuellen Blick auf diese Themen für wichtig.
Daher würde ich mir einen offenen Umgang mit diesen Themen wünschen und dass wir uns gegenseitig so anerkennen, wie wir sind, statt uns aufgrund des Wordings zu verurteilen oder per se Ableismus vorzuwerfen. Ich verurteile jede Form von Ableismus und Diskriminierung und versuche damit sensibel umzugehen. Doch eine generelle Sichtweise, dass es HSP nicht gäbe, und wir aufgrund des Selbstverständnissens als hochsensible Person ableistisch seien oder bewusst kein ADHS haben möchten, sehe ich kritisch. Viel mehr sollten wir alle uns doch dafür feiern, dass wir uns mit uns beschäftigen, uns entwickeln möchten und uns neu entdecken für ein glücklicheres, entspannteres, verständnisvolleres und unterstützendes Miteinander für neurotypische wie neurodivergente Menschen gleichermaßen, unabhängig vom Wording oder Diagnostik.