Was genau steckt hinter diesem Begriff? Was sind die Merkmale und wie kannst du damit umgehen? Wir geben dir einen Einblick in die spannende Welt der Hochsensibilität.

Hochsensibilität. Hoch…was?

Du fühlst dich schnell überfordert, deine Akkus sind schneller leer und der Input von außen lässt deinen Kopf schwirren?

Das ist an sich kein Wunder, denn die Digitalisierung und die daraus folgende Wissens- und Informationsflut über diverse Kanäle und Medien entspricht nicht mehr unserem menschlichen Naturell – so ist das Gehirn mit all dem Input schnell überfordert.

Aber warum fühle ich mich wie ein Alien, warum kann ich nicht so sein wie die anderen?

Vielleicht bist du hochsensibel?

Bei Hochsensiblen (auch Hypersensible oder Hochsensitive genannt) kommt noch ein weiterer Aspekt dazu: Eine tiefere und intensivere Reizverarbeitung. Dies bedeutet eine hohe Feinfühligkeit gegenüber Sinnesreizen wie Gerüchen oder Geräusche, Lautstärke oder visuellen Reizen, ein hohes Maß an intuitiver Wahrnehmung sowie Einfühlungsvermögen. Die meisten Hochsensiblen nehmen Emotionen anderer Menschen sowie ihre eigenen intensiver wahr und können diese tiefer reflektieren, sie fühlen Stimmungen, Energien und Emotionen in ihrer Umgebung – oftmals, bevor andere Personen sie bemerken. Aber sie können leider auch schlechter abgrenzen zwischen fremden und eigenen Emotionen, was oft dazu führt, dass sie sich selbst zu wenig spüren. Zudem können sie Streit und Ungerechtigkeit schlechter ertragen und Smalltalk nervt leicht – lieber führen sie tiefgründige Gespräche und das klappt auch mit Personen, die sie noch gar nicht lange kennen.

Durch diese Eigenschaft sind Hochsensible zwar oft empathisch und einfühlsam, zeigen Mitgefühl, sind kreativ und denken um die Ecke –  sie sind aber auch anfälliger für Stress, emotionale Überlastung oder für Überstimulation.

Hochsensibilität an sich ist ein Persönlichkeitstyp, den rund 15 bis 20% der Weltbevölkerung haben, wobei er auf alle Geschlechter gleich verteilt ist. Sie ist keine Krankheit oder psychische Störung – sensitive Personen (highly sensitive persons /HSP) nehmen Reize nur anders wahr.

Bislang gibt es jedoch kaum wissenschaftlich fundierten Studien über diese Reizverarbeitung, was eine eindeutige Diagnose oder den Umgang damit erschwert. Bereits seit vielen Jahren beschäftigen sich WissenschaftlerInnen mit den Themen der Reizverarbeitung und Sensibilität, doch die US-amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron hat letztendlich den Begriff der Hochsensibilität geprägt.

Aber was soll es denn nun bitte sein?

Es gibt bislang kein einheitliches, eindeutiges und wissenschaftlich fundiertes Testverfahren, welches deine Hochsensibilität zweifelsfrei feststellen kann, da dieses Merkmal kein medizinisches oder psychologisches Konzept im engeren Sinne ist. Jedoch gibt es zahlreiche (auch kostenfreie) Fragebögen und Tests im Internet, die dir zumindest einen ersten Eindruck vermitteln können, ob du hochsensibel bist. Auch (Psycho-)Therapie oder Coaching können dir helfen, dich besser einzuschätzen und den Umgang mit deinen Empfindungen zu verbessern.

Selbstreflexion und Selbstfürsorge

Die Komplexität des Denkens und Fühlens erfordert von Hochsensiblen ein hohes Maß an Energie. Um nicht auszubrennen oder sich selbst zu überfordern, sind ein gutes Verständnis für die eigene Sensibilität und Reaktionsweise sowie ein hohes Maß an Selbstfürsorge elementar.

Vielleicht bist du wie eine Blume, die an dem falschen Standort nicht gedeihen kann. Um ein erfülltes und authentisches Leben zu leben, ist es wichtig, dich mit all deinen Stärken zu erkennen und nach deinen persönlichen Bedürfnissen zu leben.

Der erste Schritt dahin ist die Anerkennung deiner Hochsensibilität.

Hilfe im Alltag

Was dir im Alltag als hochsensible Person helfen kann, sind Klassiker wie beispielsweise:

  • Stressreduktion
  • Achtsamkeit
  • Ruhe
  • Natur
  • Meditation
  • Sport

Aber auch Ansätze wie beispielsweise:

  • Gehe in tiefere Verbindungen mit Menschen statt oberflächliche Freundschaften
  • Hör mehr auf deine Intuition und vertraue deiner inneren Stimme
  • Hör auf deinen Körper. Auch er redet mit dir, verstehst du ihn?
  • Verbringe und vor allem genieße Zeit mit dir alleine

Scanner-Persönlichkeit

Nicht ungewöhnlich ist auch die Verbindung von Hochsensibilität mit einer so genannten “Scanner-Persönlichkeit”, auch Vielbegabung genannt. Erkennst du dich in den folgenden Aussagen wieder?

  • Du hast viele Talente, kannst alles ein bisschen gut und interessierst dich für viele (scheinbar nicht-zusammenhängende) Themen
  • Du bringst dir Sachen gerne selber bei und hast eine schnelle Auffassungsgabe
  • Du hast das Gefühl, du bringst nichts zu Ende und fühlst dich dadurch oft nicht gut genug
  • Du bist wissbegierig und liebst es neue Dinge zu lernen und auszuprobieren
  • Du denkst gerne um die Ecke und findest kreative Lösungen für Probleme

  • Dich langweilt es, ein Thema in seiner ganzen Komplexität zu erfassen: Dir reicht es, das Thema zu verstehen und dann wandern deine Gedanken schon weiter
  • Und du machst gerne mehrere Projekte nebeneinander. Fokussiert nur an einer Sache lange zu arbeiten, langweilt dich
  • Viele Reize auf einmal überfordern dich, aber zugleich möchtest du viele neue Eindrücke erleben
  • Du siehst oftmals das „Große Ganze“ und kannst Zusammenhänge schnell erkennen und verknüpfen

Und, treffen viele Punkte bei dir zu? Dann könnte es dir zusätzlich helfen, dich mit dem Thema der Scanner-Persönlichkeit weiter auseinanderzusetzen.

In unserer Rubrik “Tipps & Termine” findest du Reportagen und Berichte von und über andere Hochsensible. Schau gerne hier einmal vorbei, vielleicht erkennst du dich ja in einigen Bereichen wieder.

Möchtest du noch tiefer in die Themen Hochsensibilität und oder Scanner-Persönlichkeit einsteigen? Unsere Großen Schwester Miriam hilft dir gerne persönlich weiter, ihr Angebot findest du hier.

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